Von Manuel Holscher ›

Der 1. FC Magdeburg hat denkbar unglücklich mit 1:2 (1:0) gegen den FSV Zwickau verloren. Dabei hatte der Club den Gegner im Griff.

Magdeburg l Sören Bertram war untröstlich. Nach dem 1:2 des 1. FC Magdeburg gegen den FSV Zwickau ließ er die Schultern hängen, hätte wohl am liebsten direkt die MDCC-Arena verlassen.

Bertram fühlt sich verantwortlich

Bertram fühlte sich verantwortlich und sah sich selbst als Hauptgrund für die Niederlage. „Der Ball muss einfach rein, den Schuh ziehe ich mir an. Ich hätte mit meinem zweiten Tor alles klarmachen können“, sagte er.

Der Offensivspieler sprach über die 22. Minute: Mario Kvesic hatte sich auf der rechten Seite gut durchgesetzt, Bertram stand in der Mitte völlig frei, bekam auch die Kugel, schoss allerdings links daneben.

Es wäre das 2:0 gegen eine zu diesem Zeitpunkt klar unterlegene Zwickauer Mannschaft und nach dem Führungstreffer in der dritten Minute Bertrams zweiter Treffer gewesen. „Ich habe den Schuss einfach verrissen, habe es grottenschlecht gemacht. Der Ball musste in dieser Szene ins Tor, das ist mein Anspruch. Dann ist die Partie wahrscheinlich entschieden“, bedauerte der 28-Jährige. Und: „Es tut mir sehr leid für die Mannschaft und die Zuschauer, die ins Stadion gekommen sind.“

Zahlreiche vergebene Torchancen

Die Gelegenheit von Bertram war aber nur die Spitze des Festivals der vergebenen Torchancen. Denn auch seine Mannschaftskollegen drängten sich nicht durch eine bessere Effizienz auf. So vergaben Marcel Costly (16./29./50.), Rico Preißinger (45.+1) und erneut Bertram (52./74.) gleich reihenweise.

Deshalb wollte der neue FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz auch keinesfalls Sören Bertram zum Sündenbock machen. „Ich habe ein Problem damit, wenn ein Spieler sagt, dass er allein verantwortlich ist. Wir alle sind für die Niederlage verantwortlich. Es gab gute Ansätze, aber wir müssen uns besser konzentrieren“, sagte er. Denn: „Wir haben Fehler gemacht, die wir nicht machen dürfen.“

Kritik am Verhalten vor den Gegentoren

Was er meint: Beim 1:1 durch Fabio Viteritti (65.) verteidigte der FCM einen Einwurf des Gegners schlecht, so konnte der Angriff erst eingeleitet werden. „Wir haben im Trainingslager intensiv darüber gesprochen, wie wir uns bei gegnerischen Einwürfen verhalten wollen. Beim 1:1 habe ich das nicht gesehen“, kritisierte Wollitz.

Der Coach wollte auch nicht nach möglichen Ausreden suchen, schließlich wurde Jürgen Gjasula vor dem 1:2 durch Gerrit Wegkamp (67.) gefoult. „Es bringt uns aber nichts, irgendwas im Nachgang zu fordern. Wir sind selbst dafür verantwortlich, dass wir die Gegentreffer kassiert haben“, stellte Wollitz noch mal schonungslos klar. Das sah auch Bertram so: „Wir haben die zweiten Bälle nicht mehr so gut verteidigt. Wir hätten das Spiel nie verlieren dürfen.“

Gute Ansätze in der ersten Hälfte

Im neuen Jahr, das eigentlich ein Neuanfang unter dem neuen Trainer sein sollte, gleichen die Probleme somit weiterhin denen, die noch vor Weihnachten auch Ex-Coach Stefan Krämer zu schaffen machten.

Und doch: Die Mannschaft hat gerade in der ersten Hälfte gezeigt, dass sie sich in den vergangenen drei Wochen durchaus weiterentwickelt hat. Das Team trat deutlich griffiger als in der Vorrunde auf, war im Mittelfeld mit Mario Kvesic, Jürgen Gjasula und Rico Preißinger spielfreudig, hatte einen enormen Zug zum Tor. „Wir sollten uns ein Beispiel an der ersten Halbzeit nehmen. Das war richtig guter Fußball, wir haben uns viele Chancen herausgespielt“, sagte deshalb auch Bertram.

Die Probleme sind aus der Vorrunde bekannt

Doch von diesem Aufschwung war in der zweiten Hälfte eben nicht mehr viel zu sehen. Vor Wollitz, vor der Mannschaft liegt somit noch viel Arbeit. „Wir müssen die Partie knallhart analysieren, dürfen nichts aussparen“, forderte Rico Preißinger.

Auch Kapitän Christian Beck brachte das Dilemma gegen Zwickau noch mal auf den Punkt: „Der Gegner weiß wahrscheinlich selbst nicht, wie er gewonnen hat. Wir hätten zur Halbzeit 3:0 oder 4:0 führen müssen. Am Ende stehen wir mit leeren Händen da – es ist unfassbar.“

Abwehrchef Tobias Müller hatte dann eine vermeintlich einfache Lösung parat: „Wir dürfen unseren vergebenen Chancen nicht nachtrauern – und müssen jetzt in Mannheim gewinnen.“

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