Von Manuel Holscher ›

Beim 2:2 (2:0) gegen Bayern II zeigte der 1. FC Magdeburg mehr als 60 Minuten die beste Saisonleistung, vergab aber zu viele Chancen.

Magdeburg l Jürgen Gjasula konnte es nicht fassen. Nach dem 2:2 des 1. FC Magdeburg gegen Bayern München II schüttelte er immer wieder den Kopf, blickte häufig zu Boden. „Ich fühle mich, als wenn wir verloren hätten. Dieses Spiel hätten wir niemals hergeben dürfen“, ärgerte er sich.

Die Enttäuschung war groß. Schließlich hatte der FCM gegen den Tabellenführer mehr als eine Stunde ein richtig gutes Spiel gemacht. Es war die beste Leistung im Jahr 2020 und eine der besten Vorstellungen der Saison. Gjasula war es, der sein Team mit einem verwandelten Handelfmeter in Führung brachte (22.), Daniel Steininger erhöhte kurz vor der Halbzeit auf 2:0 (43.).

Zwei Gegentreffer in fünf Minuten

Doch innerhalb von fünf Minuten brachte sich der FCM um einen Erfolg. Zunächst war es der eingewechselte Julian Weigel, am vergangenen Dienstag noch umjubelter Torschütze beim 1:1 in Halle, der Kwasi Okyere Wriedt ungeschickt im Strafraum foulte. Der Torjäger verwandelte dann selbst zum Anschlusstreffer (86.). In der Nachspielzeit zeigte Timo Kern mit seinem Treffer, weshalb die Münchner in der 3. Liga ganz oben in der Tabelle stehen (90.+1).

Die späten Gegentreffer sorgten dafür, dass sich das Spiel für den 1. FC Magdeburg wie eine Niederlage anfühlte. Hätte die Mannschaft vor der Partie aufgrund der Außenseiter-Rolle einen Punkt sicherlich mitgenommen, sah dies nach dem Abpfiff ganz anders aus. „Das passt zu unserer Situation und zeigt, dass es Gründe gibt, weshalb wir da stehen, wo wir stehen“, sagte Gjasula.

Conteh hatte mehrfach Treffer auf dem Fuß

Was er meint: Der FCM macht in dieser Saison zu selten etwas aus guten Spielen. Auch gegen die Bayern, die auf einige Stammspieler verzichten mussten, kostete der eigene Chancenwucher letztendlich den Sieg. „Wir sind zu inkonsequent, es hätte mindestens 3:0 stehen müssen, dann wäre nichts mehr passiert“, kritisierte Gjasula. „Nach dem Anschlusstreffer haben wir wieder angefangen, nachzudenken. Es tut weh, dass wir nach dem besten Spiel seit langem nur mit einem Punkt dastehen.“

Durch eine bessere Effizienz hätte ein mögliches Comeback der Bayern bereits im Ansatz verhindert werden können. Die Chancen waren da: Allein Sirlord Conteh war gleich dreimal aussichtsreich vor dem Gästetor (11./36./52.) – traf aber jeweils die falsche Entscheidung. Entweder übersah der 23-Jährige den besser postierten Mitspieler oder er passte in einem Moment, in dem er lieber hätte abziehen sollen. Neben Conteh hatten auch der stark aufspielende Mario Kvesic (18.), der an beiden Magdeburger Treffern beteiligt war, eine weitere gute Gelegenheit.

Plan von Hoßmang geht lange auf

Es zeigte sich, dass der klare Plan von FCM-Trainer Thomas Hoßmang über weite Strecken glänzend aufging. Der Coach hatte in einem 4-4-2-System mit Daniel Steininger und Sirlord Conteh auf zwei schnelle Stürmer gesetzt – Christian Beck und Sören Bertram saßen zunächst auf der Bank. Der FCM störte den Gegner früh und schaltete schnell in die Offensive um.

Hoßmang hatte im Vorfeld erkannt, dass die offensivstarken Münchner mit der Abwehrkette ziemlich weit vorrücken. Durch schnelle Konter überraschte der FCM den Gegner und kam durch diesen taktischen Kniff zu zahlreichen Chancen. „In diesem Spiel ist viel aufgegangen. Es ist schade, dass sich die Jungs nicht belohnt haben. Wir hätten den Deckel draufmachen müssen“, sagte auch Hoßmang. Und: „Wir hätten uns von den Abstiegsplätzen ein gutes Stück entfernen können.“

Hoßmang lobt Leidenschaft des Teams

Es war das entgegengesetzte Gefühl im Vergleich zum 1:1 in Halle, als der FCM in der Nachspielzeit traf und sich über einen glücklichen Punktgewinn gefreut hatte. „Das gehört zum Fußball dazu. Wir sind jetzt direkt nach dem Spiel traurig und enttäuscht. Trotzdem sollten wir positiv bleiben, da es viele gute Dinge gab, die wir mitnehmen können“, betonte Hoßmang. Denn: „Die Jungs haben mit heißem Herz die Zweikämpfe angenommen und endlich mal wieder die Art und Weise gezeigt, die wir hier in Magdeburg brauchen.“

Klar ist aber auch: So gut Hoßmang zuletzt in Halle mit den Einwechslungen lag, so unglücklich lief es mit den neu ins Spiel gekommenen Spielern diesmal. Allen voran für den jungen Weigel war es ein bitterer Tag, schließlich verursachte er mit seiner ersten Aktion den Elfmeter. Außerdem hätte in der Schlussphase der erfahrene Timo Perthel gutgetan, er hätte benötigte Ruhe reinbringen können.

Hoßmang wollte die Defensive auch stärken, reichte deshalb in der 82. Minute einen Zettel an Tobias Müller und Jürgen Gjasula weiter. „Wir wollten das System umstellen, mit einer Fünferkette in der Defensive noch kompakter stehen“, verriet der Trainer. Doch so sicher wie zuvor stand die Abwehr nicht mehr. Der zweite A-Junior, Theo Ogbidi, kassierte zudem bei seiner ersten Aktion gleich eine Gelbe Karte.

Keine Zeit zum Ärgern

Viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, am Mittwoch (19 Uhr) tritt der FCM in Unterhaching an. „Jetzt sind Ergebnisse gefragt, wir müssen so viel wie möglich mitnehmen“, betonte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. Und Jürgen Gjasula machte klar: „Es geht um die Existenz des Vereins.“

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