Marius Bülter (25) entwickelt sich beim 1. FC Magdeburg zum Allrounder, übernimmt unter Trainer Michael Oenning verschiedene Rollen.

Von Manuel Holscher ›

Magdeburg l Als der FCM im vergangenen Sommer Marius Bülter verpflichtete, zuckten viele Fans und Beobachter mit den Schultern. Ein Stürmer, sicherlich, der auch Torschützenkönig in der Regionalliga war. Aber trotzdem: Dieser Bülter, der vom SV Rödinghausen kam, sollte dem Club in der 2. Bundesliga weiterhelfen?

Er sollte und zwar viel schneller als gedacht. Marius Bülter entwickelte sich zu einem wahren Glücksgriff. Mit einer beachtlichen körperlichen Präsenz, mit seinem Antritt und vor allem durch seinem Mut überraschte er Gegenspieler und Zuschauer gleichermaßen. FCM-Trainer Michael Oenning Oenning gerät geradezu ins Schwärmen. „Er hat ein riesiges Potenzial, er bringt alles mit. Wir werden noch viel Freude an ihm haben“, lobt er.

In den vergangenen Wochen hat er neben den bekannten Eigenschaften noch einen weiteren Vorzug offenbart: Flexibilität. Bülter spielte unter Ex-Trainer Jens Härtel links und rechts im Dreiersturm oder als zweite Sturmspitze. Unter Oenning, der ein 3-5-2-System bevorzugt, wurde er zum rechten Mittelfeldspieler, in der Rückwärtsbewegung sogar zum Außenverteidiger. „Diese Position ist für mich schon ziemlich neu. Ich war auch etwas überrascht, als ich sie im Training spielen sollte“, gibt Bülter zu. Aber: „Der Trainer hat mir Mut zugesprochen, hat mir gesagt, dass ich einfach mein Spiel machen und den Rest auf mich zukommen lassen soll.“

Genau das tat der 25-Jährige in Fürth, gegen Bochum und zuletzt gegen den 1. FC Union Berlin auch. Und er schaffte es wieder: Aus anfänglicher Skepsis wurde bei vielen Zuschauern schnell Überzeugung.

Zwar ist Bülter in der Offensive nicht mehr so spektakulär wie beispielsweise beim 2:2 gegen Dresden. Seine physischen und technischen Fähigkeiten kommen jetzt aber auf dem ganzen Platz zum Tragen. Gegen Berlin war er mit knapp unter elf Kilometern der laufstärkste Spieler auf dem Rasen. „Sicherlich bin ich in der Defensive jetzt mehr gefordert, das hat mir bisher aber gut gelegen“, sagt Bülter.

Seitenwechsel

Gut gelegen hat ihm auch der Seitenwechsel gegen Union. Nach der Verletzung von Michel Niemeyer lief er nicht mehr im rechten, sondern im linken Mittelfeld auf, der eingewechselte Marcel Costly übernahm die rechte Seite. „Die linke Seite mag ich sogar noch ein bisschen lieber“, sagt Bülter und treibt seine Flexibilität damit fast schon auf die Spitze.

Es ist die Unbekümmertheit, die ihn auszeichnet. „Ich mache mir nicht so viele Gedanken“, betont er. Das hat einen ganz speziellen Grund. „Wenn ich überlege, wo ich vor einem Jahr war und wo ich jetzt bin, dann muss ich mich zwicken. Ich lebe meinen Traum“, so Bülter. Beim Blick auf das kommende Spiel am Montag beim 1. FC Köln wird er fast schon ehrfürchtig. „Ich weiß nicht, ob ich so etwas noch mal erleben werde – in so einem Stadion, vor mehr als 50 000 Zuschauern“, sagt er. Aber: „Wir wollen dort trotzdem nicht als Touristen hinfahren, sondern etwas mitnehmen.“

Etwas beenden möchte er übrigens möglichst bald neben dem Rasen. Zum Abschluss seines Maschinenbau-Studiums fehlt Bülter nur noch eine Prüfung. „Ich habe mir alle Unterlagen besorgt. Die Prüfungsphase ist von Ende Januar bis Mitte Februar. Ich will das jetzt unbedingt durchziehen“, sagt er.

Zweifel haben keinen Platz, denn eins ist klar: Was sich Bülter bisher vorgenommen hat, hat er auch geschafft.

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