Autor: Rainer Schweingel & Alexander Dinger
Von Handelskammer bis Tourismus – was sich die Region vom Aufstieg des 1. FCM erhofft
Der 1. FC Magdeburg spielt in der kommenden Saison in Liga 3. Damit geht sportlich ein Wunsch vieler Fans in Erfüllung. Aber welche Hoffnungen verbindet die Stadt mit dem Aufstieg? Die Volksstimme fragte nach

Von Rainer Schweingelund Alexander Dinger

Oberbürgermeister: Werbung und Finanzen

Oberbürgermeister Lutz Trümper ist sich sicher: Mit dem Aufstieg wird es eine deutlich höhere Aufmerksamkeit für Magdeburg geben. „Das resultiert allein schon aus der bundesweiten Ausstrahlung der Spiele in der ARD. Damit sind deutlich höhere Werbeeffekte verbunden“, so Trümper, der vor diesem Hintergrund auch auf weitere Sponsoren hofft. Außerdem habe der Jubel gezeigt, wie verankert die Mannschaft in Magdeburg und der Region ist. Für Magdeburg sei der Aufstieg eine „Super-Sache mit vielen Chancen“ und werde auch weiter mithelfen, die Stadionbetriebskosten zu refinanzieren. Derzeit zahlt die Stadt Magdeburg an die Stadionbetriebsgesellschaft jährlich einen Zuschuss von 360 000 Euro für den Unterhalt. Um den noch laufenden Kredit für den Stadionneubau aus den Einnahmen des Spielbetriebs decken zu können, reiche ein Aufstieg in die dritte Liga noch nicht aus. Das sei frühestens ab Liga 2 möglich, so Trümper.

Innenstadthändler: Freude überwiegt Sorge

Bei den Magdeburger Innenstadthändlern schlagen nach dem FCM-Aufstieg zwei Herzen in einer Brust. „Einerseits freuen wir uns natürlich riesig, dass der FCM aufgestiegen ist. Damit wird es viel mehr Aufmerksamkeit für Magdeburg geben. Und das ist sehr gut“, so IG-Sprecher Arno Frommhagen. Andererseits machen sich die City-Händler auch Sorgen, weil mehr Risiko-Spiele wie gegen Halle oder Dresden zu erwarten sind. „Wir hoffen allerdings darauf, dass die Polizei die Lage im Griff haben wird“, so Frommhagen weiter, deshalb überwiege derzeit klar die Freude über den Aufstieg. Am Montagabend wollten die City-Händler auf einer eigens einberufenen Sondersitzung die Lage nach dem Ligaaufstieg besprechen.

Stadtmarketingverein: Aufstieg stiftet Identität

„Der Aufstieg ist eine tolle Sache und hat gezeigt, dass die Magdeburger stolz auf ihre Stadt sein können. Der Fußball trägt wie der Handball hier in der Stadt zu einer Identifikation der Magdeburger bei, aber auch darüber hinaus. Von Arendsee bis Zeitz haben sich viele mit den Magdeburgern mitgefreut“, sagt Georg Bandarau, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Pro M Magdeburg. Zugleich sieht er einen starken Werbeeffekt. „Mit dem Aufstieg ist natürlich mehr Aufmerksamkeit für Magdeburg verbunden. Das hilft uns“, so Bandarau.

Magdeburger Verkehrsbetriebe: Eine neue Herausforderung

Bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) ist die Freude über den Aufstieg groß. „Wir freuen uns riesig für die Mannschaft des 1. FC Magdeburg und den verdienten Aufstieg in die 3. Liga nach einer toll gespielten Saison“, sagt MVB-Sprecher Tim Stein. „Für die MVB bedeutet das natürlich auch eine neue Herausforderung, künftig öfter als bisher für ein (fast) ausverkauftes Stadion die An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu organisieren. Vor allem bei der besonderen Baustellensituation in der Stadt ab diesem Sommer“, so Stein weiter. Man sei aber zuversichtlich, mit dem verlängerten Tagesverkehr bis 23 Uhr ab 13. Juli und der Einsatzlinie 15 ein gutes Angebot für alle Fußballfans bieten zu können.

Polizei: Sicherheitslage wird geprüft

Mit dem Aufstieg in die 3. Liga wird es auch mehr Risikospiele geben. Bei diesen Spielen werden mehr Ordner und Polizisten eingesetzt, weil Ausschreitungen erwartet werden. In der Vergangenheit waren das etwa Spiele gegen den BFC Dynamo aus Berlin. Eine ähnliche Situation wird etwa gegen Hansa Rostock oder Dynamo Dresden erwartet. „Die Sicherheitslage wird jetzt geprüft“, sagte Polizeisprecher Mike von Hoff. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh. „Unsere Konzepte werden angepasst“, so von Hoff weiter.

Industrie- und Handelskammer: Wirtschaftlich positiv

„Der Erfolg des 1. FC Magdeburg wird sich auch wirtschaftlich positiv auswirken“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, Wolfgang März. Zum einen sei die 3. Liga ein hoher Imagefaktor und werde den Bekanntheitsgrad von Magdeburg durch die bundesweite Medienpräsenz enorm steigern. Und zum anderen würden zu den Heimspielen viele Gäste in die Stadt kommen. „Davon profitieren Hotels, Gaststätten und der Handel“, sagt März.

Landrat: Ein Großteil von JL ist blau-weiß

Der Erfolg des FCM strahlt über die Stadtgrenzen hinaus aus. Steffen Burchhardt (SPD), Landrat des Jerichower Landes: „Der Aufstieg der Magdeburger in die dritte Liga ist für unsere Region belebend. Man mag über Fußball denken, was man will, aber er schafft Emotionen und vermag Menschen mitzureißen wie kaum etwas anderes. Ich gratuliere der Mannschaft von ganzem Herzen und freue mich auf die Saison. Da bin ich gewiss nicht allein – ein Großteil des Jerichower Landes ist blau- weiß.“

Tourismusverband: Gewinn für die Region

„Der Aufstieg in die 3. Liga bringt Mannschaften und Fans aus entfernten Teilen Deutschlands nach Magdeburg, die hier übernachten und sich damit positiv auf unsere Beherbergungsbranche auswirken“, sagt die Geschäftsführerin des Magdeburger Tourismusverbandes, Irene Mihlan. Hinzu komme die unbezahlbare deutschlandweite Berichterstattung. „Gerade in den südlichen und westlichen Bundesländern lässt die Bekanntheit Magdeburgs immer noch zu wünschen übrig“, sagt Mihlan. Wenn die Fans mit Herzlichkeit, Kompetenz und Fairness von sich reden machen und Randalierer in die Schranken weisen, sei der Aufstieg in die 3. Liga ein Gewinn für die ganze Region, sagt die Tourismusexpertin.

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