Von Manuel Holscher ›

Leon Bell Bell und Anthony Roczen warten beim 1. FC Magdeburg bisher vergeblich auf den Durchbruch. Trainer Stefan Krämer erklärt, warum.

Magdeburg l Für Leon Bell Bell war nach dem Training am Montagnachmittag noch nicht Schluss. Der Offensivspieler des 1. FC Magdeburg ging mit seinen Mannschaftskollegen Sirlord Conteh und Marcel Costly noch ein paar Minuten an das Kopfballpendel.

Extraschichten sind bei Spielern wie Leon Bell Bell oder auch Stürmer Anthony Roczen keine Seltenheit – beide Neuzugänge haben Nachholbedarf. Der 20-jährige Roczen hat bisher erst 39 Drittliga-Minuten auf dem Konto, der 23-jährige Bell Bell stand noch gar nicht auf dem Rasen. Beide sind deshalb momentan neben dem Platz eher schweigsam.

Leistungsschwankungen für Krämer ganz normal

Dabei starteten Bell Bell und Roczen gut in die Vorbereitung, erzielten einige Tore. Doch irgendwann folgte der Bruch. Für FCM-Trainer Stefan Krämer ist das aber gar nicht ungewöhnlich: „Junge Spieler, die das erste Mal zu einem Profiverein kommen, sind in den ersten zwei, drei Wochen euphorisch.“ Nach der Begeisterung folgt aber oft Ernüchterung. „Mit der Zeit merken sie, dass es gar nicht so einfach ist, wie sie sich das vorgestellt haben, dass sie kämpfen müssen, um auf Spielzeit zu kommen. Dann ist es normal, dass sie etwas Zeit brauchen.“

Die große Herausforderung besteht für den Coach darin, Spieler wie Leon Bell Bell aus diesem Loch herauszuholen. „Leon arbeitet an sich, will sich verbessern. Auch wenn er momentan nicht im Kader ist, gibt er nicht auf. Das gefällt mir“, sagt Krämer.

Krämer führt viele Gespräche

Um Bell Bell und Roczen in die Position zu bringen, dass sie auf mehr Spielzeit kommen, führt Krämer viele Gespräche. „Wir hatten Leon schon mehrmals bei uns im Büro, haben ihm gesagt, was er machen muss, um auf mehr Spielzeit zu kommen.“

Konkret: Bell Bell und auch Roczen müssen an Durchsetzungsvermögen, Körperlichkeit, den richtigen Entscheidungen im Dribbling und dem Spiel gegen den Ball arbeiten. Krämer: „In den U-Mannschaften, aus denen Leon und Anthony kommen, wurde nicht in der gleichen Intensität trainiert. Außerdem war der Konkurrenzkampf nicht so hart wie jetzt.“ Bei manchen jungen Spielern würde es einfach etwas länger dauern, bis sie sich an die neue Umgebung gewöhnt hätten.

Es gibt aber auch gegenteilige Beispiele: Thore Jacobsen, Brian Koglin und Morten Behrens, alle zuvor in U-Mannschaften, kamen aufgrund von Verletzungen in die Mannschaft – und behaupteten sich durch gute Leistungen.

Extraschichten sollen helfen

Dahin sollen auch Bell Bell und Roczen kommen – das Trainerteam arbeitet deshalb in Extraeinheiten mit ihnen. „Das ist an Tagen der Fall, an denen nur eine Einheit angesetzt ist. Wir beschäftigen uns mit allen Spielern, wollen jeden Spieler entwickeln“, betont Krämer.

In diesen Extraeinheiten wird gezielt an den Schwächen gearbeitet – laut Krämer sind das bei Bell Bell das offensive Durchsetzungsvermögen und das Verhalten beim Gegenpressing, bei Roczen Torabschlüsse und Kopfballspiel.

Junge Spieler sollen im Training auffallen

Krämer verlangt im Gegenzug aber auch, dass die Spieler in den regulären Trainingseinheiten auf sich aufmerksam machen: „Sie müssen Aktionen zeigen, die uns im Gedächtnis bleiben. Auch die Spielpraxis im Landespokal muss einfach von den Jungs, die hinten dran sind, genutzt werden.“

Der größte Unterschied zu den Nachwuchsmannschaften, sagt Stefan Krämer, sei der unbedingte Wille, sich durchzusetzen. „Die Jungs müssen alles dafür geben, in die Mannschaft zu kommen. Dadurch wird das Trainingsniveau insgesamt noch mal gesteigert, es entwickelt sich ein gesunder Konkurrenzkampf im gesamten Kader. Das verstehe ich unter Profifußball.“

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