Von Manuel Holscher ›

Der 1. FC Magdeburg ist das erfolgreichste Zweitligateam im Jahr 2019. Einen großen Anteil daran hat FCM-Kapitän Christian Beck.

Magdeburg l Christian Beck ging am Sonntagnachmittag nach dem 1:1 gegen Paderborn leisen Schrittes in die Kabine. In der Mixed-Zone waren diesmal andere Spieler gefragt – Torschütze Rico Preißinger zum Beispiel oder Mittelfeld-Taktgeber Jan Kirchhoff.

Entwicklung in dieser Saison

Doch gerade Kapitän Beck hat in dieser Saison eine enorme Entwicklung hinter sich – sportlich und privat. Auf dem Rasen ist er noch immer der Spieler mit den besten Werten beim FCM. Beck traf achtmal und gab sechs Vorlagen. Alleine an solchen Statistiken lässt sich sein Wert für den FCM aber nicht festmachen. Auch wenn Becks letzter Torerfolg schon etwas zurückliegt – es war beim 1:1 am 9. Dezember gegen Union Berlin. Der 30-Jährige ist bei Trainer Michael Oenning unumstritten – auf und neben dem Rasen.

Beck hat einen ganz entscheidenden Anteil daran, dass sich der Club in der 2. Bundesliga im Jahr 2019 stabilisiert hat. Als Kapitän war er bei der Integration der Winter-Neuzugänge eine treibende Kraft. Außerdem hat er im Trainingslager in Spanien alles darangesetzt, den Teamgeist zu fördern.

Beck kann auch anders

Während der Einheiten lacht er oft, macht mal einen Spaß. Beck kann aber auch anders, klare Ansagen sind ihm nicht fremd. „Das Wichtigste ist, dass wir wieder mehr Selbstvertrauen haben“, betont er. „Wir haben nach dem Sieg gegen Aue gesehen, dass wir doch noch gewinnen können. Es war extrem wichtig, endlich diesen ersten Heimsieg zu feiern. Das waren wir unseren Fans schuldig.“

Beck ist dabei weit mehr als ein Stürmer, der nur auf Tore lauert. Er ist immer präsent, verlängert Kopfbälle, läuft für einen Mittelstürmer ungewöhnlich viel – meistens mehr als zehn Kilometer pro Spiel. Auch gegen Paderborn hatte er 50 Ballkontakte, obwohl er kaum Flanken bekam. „Ich habe schon zum Trainer im Spaß gesagt, dass ich der neue Zehner hinter den Spitzen bin“, sagt Beck und lacht.

Das große Ganze beim FCM im Blick

Der Stürmer hat in den vergangenen Monaten einen Reifeprozess hinter sich. Seitdem er von Michael Oenning zum Kapitän ernannt wurde, hat Beck noch mehr das große Ganze im Blick. Er tauscht sich regelmäßig mit Oenning sowie Sportchef Maik Franz und Geschäftsführer Mario Kallnik aus.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass er trotz der Erfolge im Jahr 2019, immerhin drei Siege, zwei Unentschieden und noch keine Niederlage, nichts von verfrühter Euphorie hält. „Ich gucke mir die Gesamttabelle und nicht irgendwelche Jahrestabellen an. Fakt ist, dass unsere direkten Konkurrenten im Keller auch gepunktet und wir noch nichts erreicht haben“, betont er. Und: „Wir werden weiterhin konzentriert und fokussiert bleiben, wollen auf keinen Fall nachlassen oder uns auf den Siegen ausruhen.“

Persönliche Sehnsucht im Hintergrund

Um das große Ziel Klassenerhalt zu erreichen, nimmt er auch seine persönliche Sehnsucht nach Toren etwas zurück. In früheren Jahren konnte Beck schon mal übellaunig werden, wenn er ein paar Spiele lang ohne Treffer blieb. Das ist jetzt etwas anders. „Natürlich mache ich mir Gedanken, wenn ich nicht treffe. Klar ist auch, dass ich so schnell wie möglich wieder treffen möchte“, sagt er. Aber: „Momentan läuft es bei uns. Das ist mir bei aller Gier auf Tore noch viel wichtiger.“

Ein Grund für diese reflektierenden Aussagen, für diesen Reifeprozess, ist neben der Kapitänsrolle auch sein privates Glück. Am 26. September 2018 wurde Beck Vater. Die kleine Melina beflügelt ihn auf der einen Seite, sorgt aber auch dafür, dass er neben dem Platz noch mehr Verantwortung übernimmt. „Es ist sehr schön, Vater zu sein, auch wenn man das Ausschlafen dann vergessen kann“, sagt er und schmunzelt. Da ist er dann wieder, der verschmitzte Beck, der immer mal wieder aufblitzt.

Mittlerweile hat er eine gute Mischung gefunden. Wie der FCM auf dem Rasen ist auch Beck mit sich im Reinen – auf und neben dem Platz. „Wir haben jetzt Duisburg vor uns. Das wird ein enorm wichtiges Spiel. Ich werde weiterhin hart arbeiten. Dann gibt es bald auch wieder Beck-Tore“, verspricht er.

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