Von Daniel Hübner ›

Trainer Heinz Krügel soll seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwiegen haben. Stadt, FCM und Fanrat beschäftigen sich mit seiner Vergan…

Magdeburg l Wolfgang Seguin hat sich womöglich gestern Abend noch ans Telefon gesetzt und ehemalige Mitspieler kontaktiert. Wie seine Kumpel Jürgen Sparwasser und Manfred Zapf etwa, mit denen er am 8. Mai 1974 gemeinsam gegen den AC Mailand den Europapokal gewann und damit für den größten Erfolg in der Geschichte des 1. FC Magdeburg sorgte. Über Geschichte haben die lebenden Legenden der Blau-Weißen dann auch gesprochen, nicht über die des damaligen Sieges in Rotterdam, sondern über die ihres Trainers: Heinz Krügel. Nicht nur Coach, auch Vaterfigur.

Wolfgang Seguin war hörbar überrascht, als er diese Geschichte von Krügel und seiner freiwilligen Zugehörigkeit zur Waffen-SS in der Zeit des Nationalsozialismus hörte. „Ich kenne ihn nur in seiner Funktion als Trainer, mit seiner Vergangenheit habe ich mich damals überhaupt nicht beschäftigt“, erklärt der 75-Jährige. „Solch eine Information muss sich erst mal verarbeiten.“

Seguin verarbeitet sie nun in den Gesprächen mit den Mitstreitern, anderen wird das nicht reichen. Nicht im Rathaus. Nicht im Fanprojekt der Blau-Weißen. Nicht beim FCM selbst. Oberbürgermeister Lutz Trümper war ebenfalls überrascht über die „neue Information“. Zu der er sich nun einen wissenschaftlichen Rat suchen wird: „Wir werden unsere Historiker dazu befragen, wie es zu bewerten ist, bevor wir dazu etwas sagen können“, erklärte Magdeburgs Stadtoberhaupt.

So ähnlich will auch das FCM-Fanprojekt vorgehen, berichtet Mitarbeiter Jens Janeck: „Die Nachricht hat die Fans bewegt und gab ihnen Anlass, sich damit auseinanderzusetzen. Der Fanrat und das Fanprojekt werden diese Meldung jetzt aufarbeiten und prüfen, was dahintersteckt.“ Die geäußerten Meinungen in den öffentlichen sozialen Netzwerken bestätigen Janeck. Die einen sind empört, dass dieses Thema überhaupt aufgegriffen wurde, wie „Chris D.“, der schreibt: „Ich habe viele ältere Damen beruflich kennenlernen dürfen, die in den letzten Tagen des Krieges auch noch ihre Söhne verloren haben. Und unsere Generation stellt sich heute hin, und führt eine Diskussion darüber, ob dies Kriegsverbrecher sind!?“ Michael Schubert twitterte indes: „Sollte das stimmen, dann ist sowohl der @1_FCM, als auch die @Ottostadt aufgefordert, sich kritisch mit der Vergangenheit von Heinz #Krügel zu befassen.“ Und „Eric“ mahnt an, den Erfolg des FCM und die Vergangenheit Krügels voneinander zu trennen: „Die großartige Arbeit, die Heinz Krügel für den Club geleistet hat, ist unbestritten, aber sollte er in seiner Jugend wirklich für die Waffen-SS tätig gewesen sein, dann darf das nicht unter den Teppich gekehrt werden.“

Als „unbestritten“ würdigt auch Peter Fechner Krügels Verdienste um den FCM. Von der Vergangenheit des Coaches, der im April seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, „hatten wir bislang keine Kenntnis“, sagt der FCM-Präsident: „Der 1. FCM tauscht sich bezüglich der Aufarbeitung mit der Stadt aus.“

„Paule“ Seguin wird darüber indes mit seinen Kumpel sprechen. Aber sie werden die Geschichte sicher nicht aufarbeiten. Seguin war einer der Protagonisten beim Festakt zur Enthüllung des Heinz-Krügel-Denkmals an der Arena am 27.  Oktober 2014. Er sagt: „Das hat er sich verdient. Ich habe mit ihm so schöne Zeiten erlebt, die werden immer in meiner Erinnerung bleiben.“

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