Abschiedsszenen beim FCM?

Nach dem 2:3 (1:1) des 1. FC Magdeburg gegen Jahn Regensburg könnte die Ära von Trainer Jens Härtel zu Ende gehen.

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Magdeburg l Die Szene hatte etwas von einem Abschied. Zusammen mit seiner Mannschaft versammelte sich Trainer Jens Härtel nach dem 2:3 gegen Regensburg vor der Fantribüne Block  U. Die Anhänger riefen immer wieder seinen Namen. Härtel trat hervor, bedankte sich und streckte den Daumen nach oben. Auf dem Weg zur Kabine verteilte er sogar noch ein paar Handküsschen.

Härtel starrt ins Leere

Das alles wirkte, als wüsste Härtel, dass hinter ihm sein letztes Spiel als FCM-Trainer gelegen haben könnte. In der Pressekonferenz war ihm der Substanzverlust nach intensiven Wochen anzusehen. Härtel starrte – wie schon in Darmstadt – ohne Ziel in den Raum, wirkte stark angeschlagen. „Bitterer kann man ein Spiel in dieser Phase nicht verlieren. Wir haben eine super Mentalität gezeigt“, sagte er. Aber: „Zwischenzeitlich hat man gesehen, dass das Nervenkostüm nicht ganz so stabil ist. Trotzdem hat die Mannschaft viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Nach vier Niederlagen in Folge und nur neun Punkten aus 13 Spielen muss Härtel um seinen Job bangen. Weit nach dem Schlusspfiff war deshalb auch FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik ein gefragter Mann. „Fakt ist, dass wir auch in der Saison 2019/20 in der 2. Liga spielen wollen. Die sportliche Situation ist gerade sehr kritisch. Die Punkte, die wir haben, reichen dafür nicht“, sagte er. Und: „Der Schock sitzt uns noch in den Knochen. Wir werden die Sache in Ruhe analysieren und alles noch mal durchgehen. Dann werden wir sehen, welche Entscheidung wir treffen.“

Kein Bekenntnis zu Härtel

Ein Bekenntnis zum Trainer vermied Kallnik, kündigte vielmehr an, dass sich die Gremien im Verein am heutigen Montag intensiv austauschen werden. Das bedeutet, dass Kallnik und Sportchef Maik Franz zusammen mit Mitgliedern des Aufsichtsrats über die Zukunft von Härtel sprechen. „Wir lassen jetzt alles erst mal sacken, um dann nach den Gesprächen eine Entscheidung zu vertreten“, sagte Kallnik.

Der Mannschaft konnte gestern nur bedingt ein Vorwurf gemacht werden. Kämpferisch erinnerte der Auftritt in vielen Phasen an beste Drittliga-Zeiten. Der FCM bewies Moral, gerade nach dem schnellen Rückstand durch Regensburgs Marco Grüttner (3.), dem ein völlig missglückter Abschlag von Torhüter Alexander Brunst voranging (siehe Text rechts). Doch nur eine Minute danach war es der überragende Christian Beck, der nach einer Flanke des ebenfalls sehr starken Philip Türpitz zum Ausgleich traf (4.). Dass Beck im Abseits stand, sah Schiedsrichter Pascal Müller nicht, den 20 336 Zuschauer war das allerdings auch herzlich egal.

Beck allen voran war es, der wie aufgedreht spielte. Es wirkte, als kämpfe er für seinem Coach. Nach einer Ecke von Nils Butzen köpfte der Torjäger nur Zentimeter daneben (40.). Chancenlos wäre Regensburgs Keeper Philipp Pentke auch beim Heber nach dem Seitenwechsel gewesen. Wieder setzte ihn Türpitz in Szene, Beck reagierte blitzschnell, hatte aber Pech, sein Lupfer traf die Latte (58.).

Schwieriger Job für Dreierkette

Der FCM hatte aber Schattenseiten in seinem Spiel: Dazu gehörten einige Phasen in der ersten Hälfte, als Regensburg dominierte und durch Sebastian Stolze (18.) und Jann George (20.) die Führung auf dem Fuß hatte.

Dazu gehörten aber auch die Abwehrprobleme. Die Dreierkette im 3-4-3-System, auf das Härtel setzte und damit wieder vom 4-2-3-1 abkehrte, war unsicher. Christopher Handke, Tobias Müller und Steffen Schäfer als Abwehrchef war die ungewohnte Konstellation anzumerken. Aus der Abwehr kam viel zu selten ein ruhiger Spielaufbau. Vielmehr wurden die Bälle nach vorn geschlagen oder konnten manchmal nur mühsam oder gar nicht geklärt werden.

Etwas unverständlich war auch die frühe Auswechslung von Türpitz (61.). Der eingewechselte Felix Lohkemper machte seine Sache dann aber auch sehr gut. Deshalb wollte Türpitz das nicht gelten lassen: „Wir sind eine Mannschaft, draußen saßen Jungs, die heiß waren. Deshalb geht die Auswechslung in Ordnung.“

Beck fehlen die Worte

Nach der Führung durch Beck (67.) war der ersehnte erste Heimsieg für den FCM dann auch trotz aller schwieriger Umstände greifbar. Doch innerhalb weniger Minuten brachte sich das Team einmal mehr um den Lohn harter Arbeit. Nach dem Ausgleich durch Marcel Correia (80.) war die Verunsicherung der vergangenen Wochen beim Club sofort wieder präsent. Nach dem 2:3, das der eingewechselte Hamadi Al Ghaddioui erzielte, war die Moral endgültig gebrochen.

„Ich kann nicht viel sagen, es ist eine große Leere da. Wir haben gezeigt, dass wir als Team zusammenhalten. Am Ende stehen wir trotzdem mit leeren Händen da“, sagte Beck. Und: „Der Trainer hat sich nach dem Spiel bei uns für die Leistung bedankt.“

Wie und ob es mit Trainer Jens Härtel weitergeht, wird sich heute zeigen. Vielsagend war das Bild, als Kallnik im Scheinwerferlicht Rede und Antwort stand, während Härtel in der Dunkelheit an ihm vorbeiging. Als Kallnik das sah, ging er zu Härtel und gab ihm die Hand – auch so eine Szene, die nach Abschied aussah.

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