Von Dennis Uhlemann

Christian Titz und Rolf Landerl fehlten zu ihrem „Poker-Duell“ am Sonntagnachmittag nur noch ein ovaler Tisch und die Sonnenbrillen. Landerl, Trainer des Drittliga-Vorletzten VfB Lübeck, war in der Schlussphase des Auswärtsspiels beim 1. FC Magdeburg mit seinen sehr offensiven Umstellungen „All-in gegangen“, wie er selbst im Nachgang berichtete.

Titz, sein Pendant auf Magdeburger Seite, hatte genau damit gerechnet und gewusst, dass er noch die richtigen Asse in der Hinterhand hat. Und seine Trumpfkarte im gestrigen Duell trug den Namen Leon Bell Bell. Im ersten Spiel von Beginn an unter dem Erfolgscoach sorgte er für den späten Siegtreffer zum 1:0 (0:0)-Endstand. „Ich hab der Mannschaft vorher gesagt, dass es ein Geduldsspiel wird. Und wir mit zunehmender Spieldauer mehr Räume bekommen werden“, sagte der FCM-Trainer. Und er sollte recht behalten. Ab der 75. Minute gingen die Gäste auf volles Risiko. „Der Punkt reichte uns nicht“, begründete Landerl seine taktischen Veränderungen in einem lange müden Kick, der auch zur Nullnummer hätte werden können.

Bell Bell zeigt sich abgeklärt

Doch der FCM wachte in der Schlussphase auf – auch, weil die Lübecker sich immer mehr Fehler erlaubten. Landerl bemängelte „falsche Lösungen“ seiner Spieler. „Wir haben uns Ballverluste erlaubt, die richtig wehgetan haben.“ Und genau so einer führte auch zum Gegentor. Nach einem Ballgewinn von Luka Sliskovic landete die Kugel bei Baris Atik, der schnell schaltete und Bell Bell auf links bediente. Und der 24-Jährige, der den rotgesperrten Raphael Obermair als Linksverteidiger ersetzte und erst zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf stand, löste das sehr abgeklärt. Er schlug einen Haken, ließ damit zwei Verteidiger stehen und zimmerte die Kugel in die kurze Ecke. Zur großen Erleichterung seiner Mitspieler und des Trainers. „Na klar bin ich erfreut, dass wir das Tor noch gemacht haben“, sagte Titz.

Denn drei Punkte sind im Abstiegsrennen logischerweise deutlich wertvoller als nur ein Zähler. Doch muss sich der FCM überhaupt noch Sorgen machen, oder kann man angesichts von acht Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz bei vier verbleibenden Spielen schon zu einem weiteren Jahr Drittliga-Zugehörigkeit gratulieren? „Nein, das kann man noch nicht“, betonte Titz. „Rein rechnerisch ist noch alles möglich – gerade, wenn man sieht, wie konstant die anderen Mannschaften da unten punkten.“

Doch mit 44 Zählern darf der FCM die kleine Pause – nach einem spielfreien Wochenende geht es erst am kommenden Mittwoch in Saarbrücken weiter – doch sehr entspannt angehen. „Wir können uns freuen und ein paar Tage frei machen“, so Titz, der ab Mitte der Woche aber schon wieder „die Zügel anziehen“ möchte. „Wir bleiben unserer Linie treu.“

Spannung und Gier bis zum Ende

Einer Linie, die in den vergangenen neun Spielen gleich sieben Siege und zwei Remis einbrachte. Dabei kassierte das Team nur vier Gegentore und entwickelte ein Selbstvertrauen, mit dem auch Partien gewonnen werden konnten, in denen die Magdeburger nicht komplett überzeugten – wie gegen Lübeck. „Wir haben einige Spiele gewonnen. Da ist es menschlich, dass man da auch mal ein paar Prozentpunkte nachlässt“, wusste Titz, um aber direkt anzufügen: „Die Truppe hält die Spannung und Gier aber bis zum Ende hoch. Wir haben uns verdient belohnt.“

Zwar kamen die Magdeburger mutig aus der Kabine und hatten schon in der ersten Minute durch Kai Brünker eine gute Möglichkeit. Danach tauchte der Gastgeber aber nur selten im Lübecker Strafraum auf. Titz hätte sich gewünscht, dass „wir die Halbräume besser besetzen und zielstrebiger in die Zwischenräume spielen“. Stattdessen galt es, einige brenzlige Situationen des VfB zu überstehen. Nur die fehlende Zielstrebigkeit des Tabellenvorletzten verhinderte in einigen Szenen den Rückstand. Mit den guten Chancen von Atik (38.), Andreas Müller (58.) und Brünker (77.) hätte aber auch der FCM schon eher auf die Siegerstraße einbiegen können.

Titz: „Abstiegskampf noch nicht entschieden“

Titz war der Zeitpunkt des Treffers letztlich egal, er freute sich vor allem über die „enorme Disziplin“ seines Teams, das in der Schlussphase noch einige weitere gute Chancen hatte. Genau dann, als die Mannschaft da sein musste. Und durch Bell Bell auch zugeschlagen und den vielleicht letzten Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht hat.

Dennoch betonte der Trainer abermals: „Wenn man auf die Tabelle schaut, ist der Abstiegskampf noch nicht entschieden.“ Etwas waren diese Worte auch als tröstender Gruß an Landerl gerichtet, der mit seinem Team in Magdeburg zu hoch gepokert und sich am Ende verzockt hat.

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